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Review: The Black Phone

The Black Phone - DVD Blu-ray Cover FSK 16

Kurzinhalt:

Ein schalldichter Kellerraum. Ein defektes Telefon. Niemand kann den 13-jährigen Finney Shaw schreien hören, als er von dem sadistischen Serienmörder „Der Greifer“ entführt wird. Als das Telefon plötzlich klingelt und eine geheimnisvolle Stimme ihm einen wertvollen Tipp gibt, wird klar: Jemand hört ihn, und wer immer es ist, weiß genau, was Finney erwartet, wenn er es nicht schafft, aus dem Keller zu fliehen.
Jede Stimme ist ein Opfer. Jede Verbindung ein Hinweis. Jeder Anruf könnte sein Leben retten. Dann klingelt es erneut…

Originaltitel: The Black Phone

Jahr: 2022

Genre: Horror, Thriller, Drama

Kinostart: 23.06.2022

3D: Nein

Altersfreigabe: ab 16 Jahren – FSK

Produktionsland: USA

Regie: Scott Derrickson

Drehbuch: Joe Hill, Scott Derrickson, C. Robert Cargill

Musik: Mark Korven

Produzenten: Jason Blum, C. Robert Cargill, Scott Derrickson, Joe Hill, Ryan Turek, Christopher H. Warner

Darsteller: Mason Thames, Madeleine McGraw, Ethan Hawke, Jeremy Davies, E. Roger Mitchell, Troy Rudeseal, James Ransone, Miguel Cazarez Mora, Rebecca Clarke, J. Gaven Wilde, Spencer Fitzgerald, Jordan Isaiah White, Brady M. Ryan, Tristan Pravong, Jacob Moran, Brady Hepner, Banks Repeta, Parrish Stikeleather, Kristina Arjona, Sheila O’Rear, Rocco Poveromo

Kritik:

Von Sebastian Notbom
Prüfungsmedium: Kino
Anzahl der Kritiker: 2

Zugegeben, im Vorfeld fand ich die Inhaltsangabe und den Trailer nicht wirklich ansprechend. Da wird halt ein Junge gekidnappt und in einen Keller gesperrt, der durch ein nicht angeschlossenes Telefon mit den vorherigen Opfern seines Entführers kommuniziert. Klingt gar nicht mal so spannend, aber Produzent Jason Blum weiß ganz genau welcher Stoff sich für das Kino eignet und wie er präsentiert werden muss. Ihm verdanken wir schließlich Genre-Hits wie Sinister, Get Out, Split und dem dreiteiligen Halloween-Reboot. Wo Blumhouse drauf steht, davon kann man schon eine gewisse Grundqualität erwarten…

Wirklich toll an The Black Phone finde ich, dass dieser Film die Zuschauer*innen nicht einfach nur berieselt, sondern durch viele Kleinigkeiten zum Mitdenken anregt. Zum Beispiel versteckt sich der Antagonist aka „der Greifer“ (Ethan Hawke) permanent hinter einer Maske, die aber je nach Stimmung einen anderen Gesichtsausdruck aufweist. Als Zuschauer fragt man sich logischerweise warum sich die Maske verändert, oder manchmal auch nur zu Teilen das Gesicht bedeckt. Letztendlich ist dies völlig egal in Bezug auf die Handlung, fasziniert aber dennoch. Solch liebevolle Mystery-Details gibt es hier viele. Ein ebenso übernatürliches Element sind die Telefonate mit den einstmaligen Opfern des Kindermörders, die dem 13-jährigen Protagonisten Finney bei seiner Flucht helfen (könnten). Deshalb richtet sich dieser scheinbare Escape-Thriller gleichzeitig auch an ein Horrorpublikum. Zudem ist The Black Phone in seiner Grundtonalität unerwartet hart. Nicht nur weil es um das Kidnapping und die Ermordung von Kindern geht, sondern grundsätzlich um Gewalt gegen Schutzbefohlene und Mobbing in der Schule; um zwei Geschwister, deren Leben sich in einer scheinbar immerwährenden Abwärtsspirale bewegt. Dabei wird sehr gut gezeigt, dass sich der Horror nicht nur im Keller eines Serienkillers abspielt, sondern auch im Alltag…

The Black Phone - Szenenbild

Das Szenenbild gleicht einer Zeitreise an das Ende der siebziger Jahre. Selten haben es Filme und Serien geschafft mich gedanklich und vor allem gerne aus dem Jetzt zu verabschieden. Die besten Beispiele für einen ähnlichen „Retro-Flash“ sind das 2016er Remake zu ES, die Serie Stranger Things, oder ihrer Zeit Wunderbare Jahre; die man übrigens auch heute noch sehr gut gucken kann.
Zum absolut glaubwürdigen Siebziger-Setting trägt auch die fantastische Bildgestaltung bei. Hier merkt man deutlich, dass The Black Phone für die große Leinwand produziert wurde. Wir haben hier zwar keinen IMAX-Film, aber das Bild wirkt sehr groß und schön kontrast- und detailreich, trotz leicht verblasster, allerdings äußerst gekonnt auf alt getrimmter Farbgebung. Dank des feinen Filmkorns hat man hier zu keiner Sekunde das Gefühl einen digital gedrehten Film zu schauen.
Hinzu kommen schlussendlich noch die optisch sehr passend zu dieser Zeit gecasteten Schauspieler und natürlich die sehr authentisch wirkenden Kostüme. Wir haben hier keine Hippie-artigen Klischee-Siebziger-Super-Schlag-Batik-Klamotten, sondern sehr natürliche Bekleidung, die ganz einfach nur der damaligen Mode entspricht, wie ich sie aus älteren Filmen in Erinnerung habe (z.B. The Texas Chainsaw Massacre) und die auch meine Eltern auf alten Fotos getragen haben.

The Black Phone - Szenenbild

Am Schauspiel gibt es absolut nichts auszusetzten. Mir ist keiner der Darsteller unangenehm aufgefallen. Sogar ein Comic-Relief – ein zugekokster Hobby-Ermittler, der ein kleines bisschen die Polizeiarbeit behindert – hat wunderbar funktioniert; wobei die generellen Ermittlungen der Polizei im Film leicht deplatziert wirken und etwas das Erzähltempo drücken.
Über Ethan Hawke (Sinister, Daybreakers, The Purge, The Northman) braucht man wohl nicht mehr viel zu sagen. Er ist wohl einer der bekanntesten Schauspieler überhaupt und liefert hier erneut eine Top-Performance. Dadurch dass er in The Black Phone größtenteils hinter einer Maske versteckt ist, wird seine Körpersprache um so wichtiger, was ihm aber keine Probleme zu bereiten scheint.
Komischerweise denke ich bei Ethan Hawke immer an einen Hänfling und wenn ich ihn dann in derartigen Rollen sehe, bin ich immer wieder positiv von seiner Physis überrascht. Den Psychokiller kauft man ihm hier auf jeden Fall ab.
Der Protagonist Finney wird dargestellt vom derzeitig 15-jährigen Mason Thames, der bisher nicht viele große bzw. einprägsame Rollen gespielt hat. Thames spielt hier einen 13-jährigen Durchschnittsschüler überzeugend, welcher zwar nicht unbeliebt ist, aber dennoch so seine Probleme mit Mobbern hat. Sein zugegebenermaßen eher unabwechslungsreiches Minenspiel könnte fälschlicherweise den Eindruck vermitteln, dass seinem Charakter alles irgendwie schnurzpiepegal ist. Diese gespielte Abgestumpftheit gibt allerdings besagten Telefonaten mit den einstmaligen Opfern des Kindermörders mehr Spielraum, die Finney u.a. Ideen liefern, wie er sich aus der Gefangenschaft befreien könnte. Außerdem hatte er zusammen mit seiner Schwester Gwen bisher kein schönes Leben. Neben Problemen mit Schulschlägern hat der Tot der Mutter ihren Vater zum Alkoholiker, und immer unberechenbarer und gewalttätiger werden lassen.
Jeremy Davies (Ravenous), den die meisten von euch wahrscheinlich aus der Serie Lost kennen (der Typ im Bunker), verkörpert besagten Vater. Die Darstellung dieses Charakters finde ich insofern sehr gekonnt, als dass deutlich klar wird, dass er seine Kinder nicht hasst oder gar verabscheut. Er liebt sie scheinbar sehr und macht sich große Sorgen (vor allem bezüglich Gwen und ihrer Träume/Visionen), weiß sich aber nicht anders zu helfen als zum Gürtel, oder zum Stock zu greifen, wenn in der Erziehung etwas aus dem Ruder läuft. Dieser Nebencharakter ist also nicht krampfhaft monströs geschrieben, inszeniert und dargestellt, sondern wurde ebenfalls sehr fein gezeichnet.
Finneys Schwester Gwen ist absolute Hammer, mehr sage ich nicht zu diesem Charakter… Die junge Madeleine McGraw (Outcast) spielt hier großartig, wobei mir die deutsche Synchronisation nicht zusagt. Hier spricht eine erwachsene Frau mit künstlicher Piepsestimme ein junges Mädchen, was für mich überhaupt nicht klargeht – vor allem nicht bei einer Kinoproduktion!

The Black Phone - Szenenbild

Fazit:

Frischer Wind im Horror-Genre! The Black Phone ist ein starker Beitrag mit erstklassiger Besetzung, der atmosphärisch sehr dicht erzählt wird und gekonnt immer wieder durch Mark und Bein geht; nicht nur was das eigentliche Kidnapping angeht.
Die Regie übernahm Scott Derrickson, der schon mit Filmen wie Der Exorzismus von Emily Rose, Sinister und der Jerry Bruckheimer Produktion Erlöse uns von dem Bösen eindrucksvoll bewiesen hat, dass er ein gutes Händchen für äußerst sauber inszenierten und super effektiven Horror hat. Vor allem Sinister ist ja laut diversen Umfragen für viele der gruseligste Horrorfilm aller Zeiten, was nicht zuletzt an der fantastischen Umsetzung, dem perfekten Timing und ebenfalls Ethan Hawkes schauspielerischem Talent liegt. Hier gibt sich ein Horror-Traumpaar bzw. -trio (zusammen mit Jason Blum als Produzent) erneut die Ehre.
Auch wenn einem die Inhaltsangabe und der Trailer nicht wirklich zusagen, sollte man The Black Phone unbedingt eine Chance geben. Wir haben hier auf jeden Fall einen der besten Genre-Filme des Jahres 2022 (NOPE ist meiner Meinung nach aber noch einen Ticken besser und wurde natürlich weitaus bombastischer Inszeniert)…

5,5 von 6 Punkten

 

DVD / Blu-ray

Verleih: Universal Pictures

Verleihstart: 25.08.2022 (VoD)

Verkaufstart: 08.09.2022

Verpackung: Amary / Blu-ray Hülle

Discs enthalten: 1

Wendecover: Unbekannt

Schuber: Unbekannt

Ton:
• Deutsch: DD 5.1 (Blu-ray: DTS-HD Master Audio 5.1)
• Englisch: DD 5.1 (Blu-ray: DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch, Niederländisch (DVD), Französisch(DVD), Italienisch (DVD)

Bildformat: 2,39 : 1

Blu-ray & VoD Auflösung: 1080p / 24Hz

4K UltraHD Auflösung:

Laufzeit 25Hz: ca. 99 Min. (DVD)

Laufzeit 24Hz: ca. 103 Min. (Kino, Blu-ray, VoD)

Uncut: Ja

Extras:
• Unveröffentlichte Szenen
• Ethan Hawkes böse Seite
• Hinter den Kulissen
• Der Teufel im Design
• Super-8-Set
• „Shadowprowler“ Kurzfilm
• Audiokommentar von Scott Derrickson
• Trailer


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