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Review: NOPE

NOPE - Poster FSK 16

Kurzinhalt:

Em und OJ sind die Eigentümer einer Farm für Hollywood-Filmpferde. Ihre kalifornische Haywood-Ranch, weitab von den ersten Anzeichen menschlicher Zivilisation, ist bereits seit Jahrzehnten in Familienbesitz. Eines Nachts beobachten sie auf ihrem Land schockierende Phänomene, für die es keinerlei Erklärung zu geben scheint. Dabei ahnen sie nicht, dass es sich nur um die Vorboten eines grauenerregenden Geheimnisses handelt…

Originaltitel: NOPE

Jahr: 2022

Genre: Horror, Scifi, Komödie

Kinostart: 11.08.2022

3D: Nein

Altersfreigabe: ab 12 Jahren – FSK

Produktionsland: USA

Regie: Jordan Peele

Drehbuch: Jordan Peele

Musik: Michael Abels

Produzenten: Ian Cooper, Jordan Peele, Robert Graf, Win Rosenfeld

Darsteller: Daniel Kaluuya, Keke Palmer, Brandon Perea, Michael Wincott, Steven Yeun, Wrenn Schmidt, Keith David, Devon Graye, Terry Notary, Barbie Ferreira, Donna Mills, Oz Perkins, Eddie Jemison, Jacob Kim

Kritik:

Von Sebastian Notbom
Prüfungsmedium: Kino (Pressevorführung, OV)
Anzahl der Kritiker: 2
Mit freundlicher Unterstützung von Universal Pictures

Glaubt mir, NOPE ist ein Film, über den in Zukunft noch viel geredet wird und bei dem es mir deswegen sehr schwer fällt eine gewisse Ordnung innerhalb dieser Kritik einzuhalten, weil es einfach zu viel zu berichten gibt und dabei noch Spoiler vermieden werden müssen. Vorweg schon mal: Ich und meine Begleitung wurden insgesamt verdammt gut unterhalten, gegruselt und haben herzhaft über die gut platzierten Gags gelacht. Außerdem ist NOPE ein Beitrag, den man als Filmfan unbedingt auf einer möglichst großen Leinwand (am besten IMAX) sehen sollte und ich versuche euch erst einmal zu erklären warum…

Es ist natürlich klar, dass ich, weil ich mich irgendwann einmal wegen dieses Projekts (der GruselSeite) auf Horrorfilme spezialisiert habe, hauptsächlich Horrorfilme konsumiere und vorgesetzt bekomme. Und eben diese Sparte wird meist direkt für das Heimkino produziert und/oder wurde, wenn für das Kino gedacht, seit Anfang der 2000er Jahre fast ausschließlich digital gefilmt. So war ich während der Pressevorführung sehr beeindruckt von der Bildqualität und dem tollen Filmkorn; was im Nachhinein nicht verwunderlich ist, denn NOPE ist tatsächlich der erste Horrorfilm, der komplett mit IMAX-Kameras auf 70mm Film gebannt wurde. Und dies hat einen guten Grund, denn wir haben hier im Subtext einen Genre-Beitrag u.a. auch über die Geschichte des Films, der ursprünglich aus Jordan Peeles (Get Out, WIR) Sorge um das Weiterbestehen des Kinos im Allgemeinen entstanden ist. Peele wollte also von Anfang an einen Film für die möglichst größte Leinwand erschaffen, mit der Intention, die Faszination für Kino beim Zuschauer zu festigen, oder wiederzubeleben. Dafür hat er geschickt sehr typische Genres unter dem Deckmantel des Horrors vereint, welche die Menschen seit über einem Jahrhundert in die Lichtspielhäuser locken, und mit Hilfe modernster IMAX-Technologie einen Look erzeugt, der absolut zeitgemäß und kernig ist, dabei aber auch stark an die guten alten Zeiten erinnert, in denen Namen wie Steven Spielberg quasi von allein für einen großen Boxoffice-Erfolg sorgten.

NOPE - Szenenbild

Sinnbildlich beginnt NOPE mit der ersten Filmszene überhaupt – ein rennendes Pferd, dessen Name bekannt ist, mit einem namenlosen afroamerikanischen Reiter auf seinem Rücken. Sehr sozialkritische Spitzen sind absolut typisch für die Filme des einstmaligen Saturday Night Live-Komiker Jordan Peele, aber dieser Film aus seiner Feder handelt nicht erneut von verkapptem Rassismus, wie z.B. Get Out. Diese Spitzen sind hier nur Mittel zum Zweck, um die oftmals super dichte, fast schon zum Schneiden angespannte Atmosphäre ein wenig aufzulockern. Dafür eignen sich solch kleine sozialkritische Seitenhiebe und Comic-Reliefs (die sich durch alle Haupt- und Nebenrollen ziehen) bestens, um dem Zuschauer zwischendurch mal eine kleine Verschnaufpause zu gönnen…
Aber kommen wir zurück zu dieser ersten Filmszene aller Zeiten, denn NOPE handelt nur oberflächlich von der eigentlichen Aufklärung eines übernatürlichen Phänomens. Im Kern geht es eher darum, dass die Ur-ur-ur-Nachfahren eben jenes unbekannten Reiters aus der allerersten Filmszene – die jungen Erben einer Ranch für Filmpferde in der Nähe von Los Angeles – die Situation ausnutzen, den finalen, „Oprah-würdigen“ Shot zu erstellen, sozusagen das Unfilmbare filmbar zu machen; in diesem Fall bezogen auf die Aufnahme eines merkwürdigen Objekts, welches bereits des Öfteren in der Nähe der Ranch gesichtet wurde und scheinbar auch für den Tod des Vaters der beiden Protagonisten Emerald (Em) und OJ verantwortlich ist. Dieses Ding „verschlingt“ einen, wenn man es direkt anschaut, was ich zusätzlich als eine klare Anspielung auf die Wirkung von Filmen (in Bezug auf die Faszination und Spannung), gleichermaßen aber auch als klare Kritik an der gesamten Filmindustrie (in Bezug auf Ausbeutung und Hierarchien) sehe. Im Subtext geht es also hauptsächlich um den glorreichen Anfang und das bervorstehende, selbst durch die Filmindustrie verursachte Ende des Kinos, womit NOPE nicht nur für Horrorfans absolut geeignet, sondern auch genrell sehr interessanter Stoff für alle sonstigen Filmfreunde ist!

NOPE - Szenenbild

Im Grunde haben wir hier einen waschechten Horrorfilm, der etwas mit einem außerirdischen Ding zu tun hat, höchstwahrscheinlich aber ganz anders verläuft, als sich die meisten Interessierten im Vorfeld denken. Als Zuschauer weiß man anfangs nur, dass etwas nicht stimmt. Was genau nicht stimmt, das wird auf fesselnd klassische Art und Weise im Verlauf genau erklärt (darum die vorherige Anspielung auf Steven Spielberg und seine früheren Werke, die auch auf Grund ihrer besonderen Erzählweise eine unglaubliche Faszination ausgeübt haben). Hier werden sich am Schluss allerdings die Lager der Filmfans spalten, wobei man die Gründe durchaus nachvollziehen kann: Die einen werden den Verlauf der Geschichte erfrischend fantastisch und ungewöhnlich finden, den anderen könnte das Gezeigte etwas zu viel des Guten sein…

Für mich persönlich hat so gut wie alles in NOPE perfekt funktioniert, wenn auch ein paar der dramatischen Szenen etwas zu sehr in die Länge gezogen wurden. Zehn bis fünfzehn Minuten weniger Laufzeit hätten dem Film vielleicht ganz gut getan, dennoch wird NOPE zu keiner Sekunde langweilig – also bitte nicht falsch verstehen. Die gesamte Handlung wäre dadurch nur noch ein wenig straffer als sie ohnehin schon ist, was das Filmvergnügen noch etwas gesteigert hätte. Außerdem habe ich den Nebenplot bzw. die Rückblenden mit dem Schimpansen nicht so ganz verstanden (ihr werdet wissen was ich meine). Vielleicht wollte Jordan Peele damit auf die Misshandlung von Tieren für die Filmindustrie aufmerksam machen, zumal sich der Hauptplot ja um eine Ranch für Hollywood-Filmpferde dreht. Er hätte zwar die Möglichkeit gehabt dieses Thema über die Pferde anzusprechen, hätte damit aber gleichzeitig die Protagonisten in ein schlechtes Licht gerückt, was natürlich ein fataler erzählerischer Fehler gewesen wäre. Bei einer guten Geschichte muss man sich ja zwangsläufig mit den Protagonisten identifizieren können, um mitfiebern zu können; aber wenn diese ihre Tiere schlecht behandeln würden, dann wäre dies aus Publikumssicht nicht mehr möglich, so dass die ganze Erzählung schlichtweg nicht mehr funktioniert…

NOPE - Szenenbild

Vor allem die Rolle des OJ ist dem großartigen Schauspieler Daniel Kaluuya (Get Out, Black Mirror, Black Panther) perfekt auf den Leib geschnitten. Hinter seinem stets gleichgültigen und markanten Gesichtsausdruck vermittelt er dem Zuschauer gekonnt ein ständiges Grübeln über das gerade von ihm Gesehene, bis es dann irgendwann zu dem abwehrenden und titelgebenden Ausspruch „Nope!“ kommt; denn das was seine Rolle erlebt, das ist einfach zu unglaublich für einen derartig bodenständigen, introvertierten Charakter und hat wohl aus Prinzip nichts in seiner recht einfachen, abgelegenen Welt zu suchen. Kaluuya blickt auf viele große Rollen zurück und kann beispielsweise glaubhaft den aufmüpfigen Teen spielen, aber auch den Comic-Helden und/oder -Bösewicht mimen, oder aber – wie hier – den typischen Farmer. Dabei imitiert er auch stets perfekt entsprechende Körperhaltungen, so dass sein schauspielerisches Talent über jeden Zweifel erhaben scheint.
Keke Palmer dürfte den meisten von euch womöglich aus der TV-Serie Scream bekannt sein. Aber auch sie verfügt daneben über eine sehr umfangreiche Filmografie. In NOPE verkörpert sie OJs völlig gegensätzliche, sehr extrovertierte Schwester Em absolut überzeugend.
In weiteren Rollen sind z.B. Steven Yeun (The Walking Dead, Okja, Mayhem) und Keith David (The Thing, Armageddon, Pitch Black) zu sehen. Etwas unbekannter ist der dritte Protagonist Angel Torres, gespielt von Brandon Perea, dessen Rolle eindeutig der Haupt-Comic-Relief des gesamten Casts ist, der sich aus Frust über sein derzeitig viel zu belangloses Leben einfach Em und OJ bei ihrem Vorhaben, gegen ihren eindeutigen Willen aufdrängt. Auch er lieferte eine insgesamt sehr überzeugende Performance, weshalb ich stark davon ausgehe, dass man ihn nach NOPE noch in vielen weiteren primären Rollen sehen wird…

Fazit:

NOPE ist ein absolut faszinierender, sehr spannender und wirklich erstklassig inszenierter Genre-Mix, mit perfekt sitzenden humoristischen, sozialkritischen Spitzen und fantastischen Schauspielern. Im Subtext wird hier die gesamte Filmgeschichte behandelt und auch gekonnt gegen die Filmindustrie ausgeteilt, denn Jordan Peele schrieb das Drehbuch aus der Sorge um das Weiterbestehen des Kinos heraus. Das macht diesen Genre-Beitrag nicht nur für Scifi-Horror-Geeks interessant, sondern tatsächlich absolut empfehlenswert für alle Film- und Kinofans, oder solche, die es noch werden wollen. Außerdem haben wir hier den ersten Horror-Streifen überhaupt, der komplett mit IMAX-Technologie gefilmt wurde, bei dem auch der erstklassige Dolby Atmos-Sound durch Mark und Bein geht, der nur im Kino seine volle Wirkung entfalten kann… Zudem integriert sich die durchaus oft eingesetzte, Blockbuster-würdige CGI super in die durchgehend perfekten, und vor allem perfekt durchdachten Bildkompositionen.
Nach der Sichtung werden sich sehr viele Menschen im Unklaren darüber sein, was sie vom Gesehen halten sollen. Je mehr sie allerdings darüber nachdenken, um so besser werden sie den Film im Abgang finden. NOPE ist eine Erfahrung, die man nicht so leicht abschütteln kann, nachdem man seinen eigenen Kiefer wieder vom Boden aufgehoben hat. Eine Eins in Schulnoten ist somit absolut verdient und gerechtfertigt! Jegliche Kritik ist lediglich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Gegenteilige Meinungen also gerne in die Kommentare (müssen freigeschaltet werden)…

6 von 6 Punkten

 

DVD / Blu-ray

Verleih: Universal Pictures

Verleihstart: Unbekannt

Verkaufstart: Unbekannt

Verpackung: Amary / Blu-ray Hülle

Discs enthalten: 1

Wendecover: Unbekannt

Schuber: Unbekannt

Ton:
• Deutsch: DD 5.1 (Blu-ray: DTS-HD Master Audio 5.1)
• Englisch: DD 5.1 (Blu-ray: DTS-HD Master Audio 5.1)
• Weitere…

Untertitel: Deutsch, …

Bildformat: 2,35 : 1

Blu-ray & VoD Auflösung: 1080p / 24Hz

4K UltraHD Auflösung: Unbekannt

Laufzeit 25Hz: Unbekannt (DVD)

Laufzeit 24Hz: ca. 130 Min. (Kino, Blu-ray, VoD)

Uncut: Ja

Extras:
• Unbekannt
• Trailer


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