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Review: Skinamarink

Skinamarink - Poster FSK 16

Kurzinhalt:

1995: Eines Nachts wachen der vierjährige Kevin und seine sechsjährige Schwester Kaylee allein zu Hause auf. Von ihren Eltern fehlt jede Spur. Noch dazu verschwinden alle Fenster und Türen auf unerklärliche Weise. Um sich von der beängstigenden Stille und Dunkelheit um sie herum abzulenken, schauen die Kinder Zeichentrickfilme und beschäftigen sich mit ihrem Spielzeug. Dann hören die Geschwister plötzlich eine unheimliche Stimme, die aus den Schatten des Hauses zu ihnen spricht – und mit ihnen spielen will …

Originaltitel: Skinamarink

Jahr: 2022

Genre: Suspense, Horror, Arthouse

Kinostart: 07.09.2023

3D: Nein

Altersfreigabe: ab 16 Jahren – FSK

Produktionsland: Kanada

Regie: Kyle Edward Ball

Drehbuch: Kyle Edward Ball

Musik:

Produzenten: Dylan Pearce, Jonathan Barkan, Josh Doke, Ava Karvonen, Edmon Rotea

Darsteller: Lucas Paul, Dali Rose Tetreault, Ross Paul, Jaime Hill

Kritik:

Von Sebastian Notbom
Prüfungsmedium: Presse-Stream (englisch, 1080p, vimeo)
Mit freundlicher Unterstützung von Capelight Pictures

Ist das Kunst, oder kann das weg? – Ich bin wohl nicht der Erste, der diesen Vater aller Dad-Jokes in einer Kritik zum „Film“ Skinamarink gebraucht, denn er trifft den Nagel wirklich auf den Kopf! Reden wir also nicht lange um den heißen Brei herum und sagen es frei raus: Ich fand, was ich hier „gesehen“ habe, mies, sterbenslangweilig und fühle mich regelrecht um meine Lebenszeit betrogen! Und diese Art der Kritik muss sich solch ein super experimenteller Film leider gefallen lassen, denn hier kann man wirklich nicht objektiv bewerten.
Definitiv richtet sich dieses Werk gegen jegliche Sehgewohnheiten, die sich über hundert Jahre der Filmgeschichte entwickelt haben. Es fängt damit an, dass permanent um die Protagonisten herum in den Leerraum gefilmt wurde und endet damit, dass man sogar Bild- und Tonqualität vergeblich sucht. Hier wird allerdings so sehr auf alle Regeln des Filmens und der Unterhaltung geschissen, dass man bei dieser düsteren Bild- und Toninstallation durchaus von Kunst sprechen kann; denn Kunst ist ja bekanntlich reine Interpretationssache und Interpretation ist hier die treibende Kraft, sofern man überhaupt eine findet. Leider bin ich einer von denen, die nicht einmal eine Idee davon haben, was uns der Schöpfer mit diesem Werk sagen möchte/könnte; genauso wie ich nicht verstehe, weshalb Leute für einen kleinen Klecks Farbe auf einer Leinwand Unsummen ausgeben…? Aber gut, ich sammle z.B. teure Dinosaurierfiguren, was auch kaum jemand verstehen kann…

Skinamarink - Szenenbild

Alles fing mit dem YouTube-Channel ‚Bitesized Nightmares‘ vom Schöpfer Kyle Edward Ball an, auf dem der Kanadier experimentelle Videoclips mit verstörenden Klangkompositionen und „gruseligen“ drei- bis vierstündigen Playlists hochlud. Alles eher weniger erfolgreich, da sein Content wirklich sehr speziell ist. Nur sein Kurzfilm Heck zählt bis heute (Stand August 2023) ca. eine halbe Millionen Aufrufe. Darum kam Ball die Idee (wahrscheinlich in einer einsamen Pandemie-Nacht) ein Crowdfunding-Projekt für einen abendfüllenden Film im selben Stil zu starten, welches ihm tatsächlich ein Budget über geschätzte 15.000 Dollar einbrachte. Wobei ich mich natürlich frage, wieso dieser „Film“ überhaupt 15.000 Dollar gekostet hat, wenn man nicht unbedingt die Kamera, den Rechner für den Schnitt und den Strom für den Betrieb der Technik mit in das Budget rechnet…? Und selbst dann komme ich nicht auf 15.000 Dollar, nachdem ich das Ergebnis gesehen bzw. „erlebt“ habe!
Auf jeden Fall schickte Ball sein Machwerk nach der Fertigstellung diversen Filmfestivals, bis einem ein Fehler unterlaufen ist und Skinamarink versehentlich komplett auf YouTube hochgeladen hat. Natürlich gibt es einige Pfiffige unter uns YouTube-Konsumenten, die sich den Film schnellstmöglich runter luden und einzelne Schnipselchen daraus für ihre eigene „Karriere“ auf der Socialmedia-Plattform TikTok missbraucht haben, wodurch ein regelrechter Hype entstanden ist. Tatsächlich wurde Skinamarink dort auf Grund seines verstörenden „Stils“ als womöglich gruseligster Horrorfilm aller Zeiten angepriesen, was natürlich die allgemeine Neugier schürte.
Ich würde Skinamarink – wie bereits angedeutet – nicht einmal als Film bezeichnen, aber meine Nachfolgegenerationen „tiktocken“ wohl etwas anders, was das grundsätzliche Horror- und Kunstverständnis angeht…

Skinamarink - Szenenbild

Skinamarink ist im Kern eine Aneinanderreihung sehr dunkler Bilder im Cinemascope-Format (2,39 : 1), die mit krassen Filtern überstrapaziert wurden, um einen angeblichen 90er Jahre Zelluloid-VHS-Look zu erzeugen. Und hier fängt es meiner Meinung nach schon an unstimmig zu werden: Die Kinder im Film (die man nicht sieht) haben wohl kaum mit einer Filmkamera auf Zelluloid gefilmt, dieses im Labor entwickelt und einem Schnellalterungsprozess unterzogen, auf eine 1000-minütige (!) Videokassette überspielt und ein paar Magnete dran gehalten, damit auch alles schön verpixelt. Der Look ergibt also schon mal gar keinen Sinn! Hier wäre eine Super 8-Optik deutlich überzeugender (wie z.B. die eingeblendeten Clips in Sinister), obwohl zu dem Zeitpunkt sowieso so gut wie niemand mehr mit sogenanntem Rollfilm gefilmt hat. Wenn es in damaligen Haushalten Kameras gab – ich weiß das, weil ich zu dem Zeitpunkt 15 Jahre alt war und mich schon für das Filmen interessiert habe – dann zumeist alte Hi8- oder modernere SVHS-Camcorder (nahe DVD-Qualität)…
Gezeigt werden auf jeden Fall nur stark verpixelte, viel zu düstere Bilder des leeren Raums (bildgestalterisch gemeint), um die herum „etwas“ passiert. Ab und zu hört man die Kinder reden, die offensichtlich nicht wissen was eigentlich los ist, bis im Verlauf eine tiefe Stimme beginnt abgehackt mit ihnen zu kommunizieren. Im Hintergrund düdeln die ganze Zeit fröhlich alte Zeichentrickfilme aus den Dreißigerjahren, in einem 4:3 Röhrenfernseher…

Skinamarink - Szenenbild

Ja, alles wirkt wie aus einem kindlichen Albtraum; nur bin ich schon lange kein Kind mehr, weswegen mich alle hier eingesetzten „Stilmittel“ völlig kalt gelassen haben. Vielleicht kicken sie jüngere Erwachsene, aber irgendwann ist man dieser Art „Horror“ eindeutig entwachsen. Was bleibt ist ein hoher Suspense-Faktor, so dass man als zusehende Person permanent damit beschäftigt ist, versteckte Hinweise und Bewegungen (bzw. überhaupt einen Sinn) im völlig kaputt gerechnetem, viel zu dunklem Bildmaterial zu suchen. Dies ist auf Dauer sehr anstrengend und natürlich zuckt man in voller Konzentration ab und zu etwas zusammen, wenn plötzlich ein viel zu lautes Geräusch ertönt. Solche Jumpscares sind allerdings eine sehr plumpe Methode dem Publikum einen Schrecken einzujagen und zudem sind sie hier sehr vorhersehbar.

Fazit:

Skinamarink spaltet die Lager. Die Einen sind wegen der verschwendeten Lebenszeit nach dem Betrachten stinksauer, die Anderen feiern ihn als womöglich gruseligsten Horrorfilm aller Zeiten. Meiner Meinung nach ist eine objektive Bewertung nicht möglich, weshalb ich zu einem 50/50-Endergebnis komme; also drei von möglichen sechs Punkten (50% entsprechen auch ungefähr dem User-Score der IMDb und Rotten Tomatoes).
Als naive Kunstinstallation, in einem alten gruseligen Haus auf Wände projiziert, hätte ich das Ding womöglich gefeiert. Als abendfüllenden „Film“ (wenn man dies so nennen möchte) kann ich hiermit bei bestem Willen leider gar nichts anfangen!
Trinkt auf jeden Fall einen, oder besser zwei Kaffee (deutlich bekömmlicher und weniger schädlich als Energy-Drinks), bevor ihr euch an Skinamarink heranwagt. Und wenn möglich, dann schaut diese ungewöhnliche Bild- und Tonkomposition mit Kopfhörern in einem abgedunkelten Raum. Das hat bei mir zwar keinen Mehrwert gebracht, aber dieser Tipp wurde des Öfteren im Web gegeben… und wenn DU (ja, dich meine ich) an Epilepsie leidest, dann meide diesen Film unbedingt! Die stetig aggressiv flackernde Flimmerkiste mit den Zeichentrickfilmen im Hintergrund grillt sonst vielleicht dein Gehirn! – Diesbezüglich wäre ein deutlicher Warnhinweis tatsächlich angebracht…
Ich freue mich schon auf eine 4K-Fassung! – Das war ein Witz…

3 von 6 Punkten

 

DVD / Blu-ray

Verleih: Capelight Pictures

VoD Verleih (TVoD): 12.10.2023

DVD, Blu-ray & Mediabook Verkauf: 13.10.2023

Verpackung: Amaray / Blu-ray Hülle / Mediabook

Ton DVD:
• Deutsch: DD 5.1
• Englisch: DD 5.1

Ton Blu-ray:
• Deutsch: DTS-HD Master Audio 5.1
• Englisch: DTS-HD Master Audio 5.1

Untertitel DVD: Deutsch

Untertitel Blu-ray: Deutsch

Bildformat: 2,39 : 1

Blu-ray & VoD Auflösung: 1080p / 24Hz

4K UltraHD Auflösung:

Laufzeit 25Hz: ca. 96 Min. (DVD)

Laufzeit 24Hz: ca. 100 Min. (Kino, Blu-ray)

Uncut: Ja

Extras:
• Audiokommentar
• 24-seitiges Booklet (Mediabook)
• Trailer


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