Preview: Hanau – Deutschland im Winter

Hanau: Deutschland im Winter - DVD Blu-ray Cover FSK 16

Kurzinhalt:

Während eines rassistisch motivierten Amoklaufs im hessischen Hanau tötet Tobias R. am 19.02.2020 neun Bürger, seine Mutter und dann sich selbst. Die eigenen Worte seines Manifestes deuten auf schwere psychische Probleme hin. Dieses Psychogramm eines Massenmörders zeigt, wie der zurückgezogene Tobias R. sich durch Fake News und Verblendung jahrelang radikalisierte, bevor es zur Katastrophe kam.

Originaltitel: Hanau – Deutschland im Winter – Part I

Jahr: 2022

Genre: Amoklauf, Thriller, Action

Kinostart:

3D: Nein

Altersfreigabe: ab 16 Jahren – FSK

Produktionsland: Deutschland

Regie: Uwe Boll

Drehbuch: Uwe Boll, Steffen Mennekes

Musik:

Produzenten: Uwe Boll, Gary Otto, Michael Roesch

Darsteller: Steffen Mennekes, Radost Bokel, Imad Mardnli, Tito Uysal, Adam Jaskolka, Daniel Faust, Robert Hofmann, Christopher Köberlein, Annika Strauss, Sven Zinserling, Vito Anthony Adragna, Robin Atalay, Alper Buyukyigit, Erlogan Ercan, David Erstling, Hiltrud Hauschke, Jannis Hollmann, Teggour Ismail, David Jagnjic, Tariq Malmood, Mimouu Oulons, Harald Pucher, Jan Schick, Frank Schraml, Mark Wamsler

Kritik:

Von Sebastian Notbom
Prüfungsmedium: Presse-Stream
Mit freundlicher Unterstützung von Tiberius Film

Ja, der Uwe Boll… kontrovers konnte er schon immer und bei den meisten seiner Filme ging es hauptsächlich darum, mit Hilfe bekannter Franchises mal mehr oder weniger Geld in stetiger Bewegung zu halten. Die Ambitionen, Videospielverfilmungen den Erwartungen der Fans entsprechend umzusetzen, waren (auch laut eigenen Aussagen mir gegenüber) quasi nie vorhanden; wobei der Gute mit Titeln wie z.B. Siegburg, Rampage, Postal und Darfur auch echte Bretter produziert hat; wenn auch qualitativ eher mäßig umgesetzt, so sorgten sie durchaus für ordentlich Gesprächsstoff…
So auch sein derzeit aktuellster „Geniestreich“ Hanau, der bereits im Vorfeld (bis „hoch“ zum allseits bekannten Gossip-Magazin BILD) für großes mediales Unverständnis gesorgt hat. Aber seid euch gewiss, nicht etwa mangelndes Fingerspitzengefühl bezüglich der Brisanz des Stoffs ist das grundsätzliche Problem dieses „Films“!

Hanau: Deutschland im Winter - Szenenbild

Die Laufzeit dieses „bollschen“ Machwerks beträgt gerade einmal ca. 60 Minuten, an die noch ein knapp viertelstündiger Besuch der Tatorte des Amoklaufs von Hanau von Uwe Boll himself dem Abspann angehängt wurde.

Über 40 Minuten lang beobachtet man zunächst den äußerst verwirrten Tobias R. in seinem stillen Kämmerlein – dargestellt von von Steffen Mennekes, der auch am Drehbuch beteiligt war – bei verschwörungstheoretischen, äußerst irritierenden Selbstgesprächen, die auf dem vom tatsächlichen Täter, kurz vor dem Amoklauf veröffentlichten Manifest beruhen.
Boll gewährt hier einen wirklich interessanten und durchaus kurzweiligen, sowie glaubwürdigen, theoretischen Einblick in eine kaputte Psyche. Ein Thema, von dem ich selbst auf Grund einer sehr plötzlichen aufgetretenen und sehr seltenen Schizophrenie eines Familienmitglieds (natürlich ohne Menschenopfer, aber es war nah dran) ein wenig getriggert wurde. Ich empfinde, auf Grund meiner eigenen Berührungspunkte mit diesem Thema (in jungen Jahren), die Darstellung der völligen Verwirrung des Antagonisten in dieser „filmischen Umsetzung“ tatsächlich sehr glaubwürdig!
Das gilt allerdings nicht für ALLES andere drumherum: Die Opfer wurden nicht einmal ansatzweise charakterisiert (geht wohl auch nicht, bei der überschaubaren Laufzeit) und die Sterbeszenen wurden viel zu laienhaft dargestellt und inszeniert; zudem verpufft der sich bis zur Eskaltion aufgebaute Schrecken (über die anfänglich durchaus gut dargestellte, äußerst kaputte Psyche des Täters) bereits wenige Sekunden nach dem ersten Schuss, bzw. schon vorher, während der ultra billig anmutenden und unsinnigen Shisha-Bar-Szenen… unsinnig, weil man eh keine Beziehung zu den Opfern aufbauen kann; weil sie, wie schon erwähnt, völlig charakterlos ins Bild gerückt wurden.

Hanau: Deutschland im Winter - Szenenbild

Rein objektiv und technisch betrachtet ist dieser offensichtliche Ultra-Low-Budget-Film leider eine kleine Katastrophe! – Es gibt tatsächlich keine „Sets“; womit ich meine, dass nichts hergerichtet, oder entsprechend ausgeleuchtet wurde, um eine wirklich angemessen bedrückende Atmosphäre zu kreieren. Das Bild ist durchweg langweilig gestaltet. Die Bars und der Kiosk sehen wie schnellst möglich hergerichtete Wohnzimmer, oder gar Waschküchen der Laiendarsteller aus und der Täter sitzt die meiste Laufzeit lediglich in seinem karg eingerichteten Schlafzimmer auf einem Sessel, oder fährt im Auto durch die Gegend. Dieser „viel zu natürliche Look“ sollte wahrscheinlich für möglichst hohe Authentizität sorgen, entbehrt aber jeglichem künstlerischen und eindrucksvollen Aspekt. Hinzu kommt die sehr aufdringlich verwackelte, pseudodokumentarische Kameraführung, mit ultra trister Farbkorrektur aus der Nachbearbeitung, weshalb von Bildqualität eigentlich gar keine Rede sein kann. Der Film sieht leztendlich aus, wie mit einem günstigen Sony Camcorder von 2006 gefilmt!

Hanau: Deutschland im Winter - Szenenbild

Fazit:

Uwe Boll hätte noch etwas mehr Wasser den Main herunterfließen lassen sollen, ehe man sich um einiges versierter solch einer filmischen Aufarbeitung der Ereignisse in Hanau widmet. Geliefert wird ein durchaus interessanter, womöglicher Einblick in die Psyche des Amokläufers Tobias R., das war es dann aber auch schon.
Pietätlosigkeit könnte man Boll nur vorwerfen, wenn es um die äußerst billige Inszenierung der tragischen Geschehnisse geht, nur um einen schnellen Taler mit Hilfe eines sehr kontroversen Themas zu machen…
Ich würde empfehlen sich irgendwann einmal eine „professionellere Doku“ im TV anzuschauen (meinetwegen auch irgendwas bei RTL), als für diesen „Amateurfilm“ (genau so wirkt Hanau) Geld aus dem Fenster zu werfen. Dabei geht es mir nicht um das eigentliche Thema – welches irgendwann natürlich zeitgemäß ordentlich aufgearbeitet werden muss – sondern rein um die Qualität, die hier leider absolut nicht geboten wird…
Und mit „Arthouse“, liebe Redaktion der WELT (Zitat im Trailer – den Kritiker sollte man entlassen), haben solch eine miserable Qualität und relativ oberflächliche Aufarbeitungen/-bereitungen einfach mal gar nichts gemein; wobei man insgesamt eine löbliche Absicht hinter diesem „Projekt“ erkennen kann… bitte hau mich nicht, lieber Uwe! <3 - Ich hätte von dir, in dieser "global-prekären Situation" (was Verschwörungstheoretiker usw. angeht) WEITAUS mehr erwarted, als solch einen oberflächlichen Abwasch...
 

Wertung: 1 von 6 Punkten

 

DVD / Blu-ray

Bisher nur als Stream gesichtet…

Verleih: Tiberius Film

Verleihstart: 17.02.2022 (VoD)

Verkaufstart: 04.03.2022

Verpackung: DVD / Blu-ray Hülle

Discs enthalten: 1

Wendecover: Unbekannt

Schuber: Unbekannt

Ton:
• Deutsch: DD 5.1, DTS (Blu-ray: DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bildformat: 2,35 : 1

Blu-ray Auflösung: 1080p / 24Hz

4K UltraHD Auflösung:

Laufzeit: ca. 76 Min. (Blu-ray & VoD ca. 78 Min.)

Uncut: Ja

Extras:
• Trailer


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