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Review: Teddy – Das Tier in dir

Teddy - Poster FSK 18

Kurzinhalt:

Teddy lebt mit seinem Onkel in der französischen Provinz. Er träumt von einer gemeinsamen Zukunft mit seiner Freundin Rebecca. Während des heißen Sommers bedroht ein Wolf die Bauern der Region. Auf der Jagd nach der Bestie wird Teddy von dieser verletzt. Schon bald stellt er sehr merkwürdige Veränderungen an sich fest. Etwas nimmt von Teddy besitz, was er nicht kontrollieren kann.

Originaltitel: Teddy

Jahr: 2020

Genre: Horrorkomödie, Drama, Werwolf

Kinostart:

3D: Nein

Altersfreigabe: ab 16 Jahren – FSK

Produktionsland: Frankreich

Regie: Ludovic Boukherma, Zoran Boukherma

Drehbuch: Ludovic Boukherma, Zoran Boukherma

Musik: Amaury Chabauty

Produzenten: Pierre-Louis Garnon

Darsteller: Anthony Bajon, Christine Gautier, Ludovic Torrent, Guillaume Mattera, Jean-Michel Ricart, Alain Boitel, Noémie Lvovsky

Kritik:

Von Sebastian Notbom
Prüfungsmedium: Presse-Stream (deutsch, 720p)
Mit freundlicher Unterstützung von Tiberius Film

Wenn man bei Teddy – Das Tier in dir auf das Cover schaut, dann sieht man schon direkt, dass einem hier ein gewisser künstlerischer Anspruch erwartet. So protzt der Streifen direkt mit Cannes und dem Fantasy Filmfest, wodurch in meinem rechten Mundwinkel immer ein kleiner Sabberfaden entsteht. Zumindest über die erste Hälfte des Films war ich auch wirklich entzückt; wobei es genau dieses Wort sehr gut trifft, weil hier permanent in eine zwar sehr subtile, aber gleichzeitig auch super kauzige Humorkerbe geschlagen wird. Die Figur des namensgebenden Teddy (Anthony Bajon) ist einfach die perfekte Darstellung von Dorfjugend aus den Augen eines Städters und das auch noch auf Französisch! Ein bisschen so, wie auch wir Norddeutschen immer dargestellt werden: Wortkarg, nimmt dabei aber auch kein Blatt vor den Mund, ist etwas vertrottelt, aber dennoch ein liebenswerter Mistkerl.

Teddy - Szenenbild

Der Humor in dieser „Horrordramödie“ ist schwer zu beschreiben. Es sind viele eigentlich super belanglose Dialoge, die in ihrer Darbietung auf ihre ganz eigene Art saukomisch sind. Es werden aber auch sehr direkte Lacher präsentiert, wenn Teddy z.B. wild mit den Händen gestikulierend einigen Dorfpolizisten aus seinem Auto seine Mittelfinger entgegen schmettert, dann mit quietschenden Reifen davon fahren will und ihm dabei der Motor absäuft… Allerdings hat auch er nebenbei die Probleme eines jeden Heranwachsenden, wie z.B. die erste große Liebe zu Rebecca (Christine Gautier); wobei der Schulabbrecher, der in einem Massagesalon jobbt, des Öfteren betont, dass sie SCHON acht Monate zusammen sind. Diese macht gerade ihr Abitur und plant danach die große weite Welt zu bereisen und irgendwo anders zu studieren. Das ist natürlich ein No-Go für die Beziehung und so kommt es zu Problemen, wie sie in diesem Alter eigentlich ziemlich normal sind. Auch ich habe damals ähnliches durchlebt. Mit seiner Schulfreundin vom Abitur im fruchtbarsten Alter ist dann meistens Essig, wenn man ausbildungstechnisch getrennte Wege geht…

Ich glaube ich war damals ein ähnlich komischer Vogel wie Teddy, mit dem Unterschied, dass ich nicht in einer Vollmondnacht von einem Wolf gebissen wurde. Mir ist zwar mal einer in Südfrankreich nachts im Wald über den Weg gelaufen, aber der ist schnell wieder ins Gebüsch gehuscht… Nochmal Glück gehabt!
Teddys Körper beginnt sich nach dieser Schicksalshaften Begegnung zu verändern, aber wir haben hier nicht unbedingt einen klassischen Werwolffilm. Diese schleichende Transformation, die sich zum Finale hin in krasser Raserei äußert, steht meiner bescheidenen Meinung nach eher stellvertretend für das Erwachsenwerden eines jungen Menschen, der im Grunde nicht erwachsen werden will und der mit Veränderungen nicht gut klarkommt; obwohl er der festen Überzeugung ist alles im Griff zu haben. Sobald die volle Erkenntnis kommt, bricht das Kartenhaus einfach über einem zusammen…

Teddy - Szenenbild

Ohne zu spoilern möchte ich gerne anmerken, dass mir die zweite Hälfte des Films schlussendlich nicht mehr so gut gefallen hat. Irgendwann kann man kaum noch nachvollziehen, warum bestimmte Dinge passieren. Und ja, Teddy wandelt sich irgendwann auch komplett zu einem relativ klassischen Werwolf, nur leider fällt dabei sehr krass auf, dass der Film nicht genug Budget für gute Spezialeffekte hatte; die man natürlich kreativ versucht hat zu umgehen, was aber nicht so ganz stimmig wirkt.

Anfänglich nimmt sich der Film sehr viel Zeit, den Zuschauer perfekt in das Geschehen einzubringen; gegen Ende ist dann aber doch alles sehr gestaucht und hektisch. Das ist sehr schade, denn Teddy hätte wirklich das Potential gehabt An American Werewolf in London Konkurrenz zu machen. Am Ende bleibt ein relativ verdutzter Zuschauer, der sich fragt, wie man diese richtig gute Grundidee mit „grandios belangloser“ Komik und echt gutem Drama derartig banal hat an die Wand fahren lassen können?
Auch wenn ich mit dem gehetzten Ende nicht konform gehe, ist Teddy aber dennoch kein schlechter Film. Im Gegenteil! Er ist somit aber leider nur noch gut und eben nicht mehr sehr gut…

Teddy - Szenenbild

Die Schauspieler sind durch die Bank çok güzel! Jeder Charakter wurde grandios dargestellt. Dazu gehörte auch ein wenig Mut zur Hässlichkeit, womit ich auch bemerken möchte, wie sehr manchmal die Kameraperspektive dazu beiträgt, ob Menschen gerade schlau, dumm, hübsch, hässlich oder witzig wirken. Sie trägt hier sehr viel zum Wirken der Darsteller und zur verspielten Komik bei.

Fazit:

Teddy fängt wirklich gut und super lustig an. Der Humor ist dabei vergleichbar mit dem von Shaun of the Dead, jedoch VIEL subtiler. Die Story handelt von einem liebenswerten Mistkerl, der sich einigen Problemen des Erwachsenwerdens stellen muss und dummerweise auch noch von einem Wolf gebissen wird. Leider kann man zum Finale hin vieles nicht mehr so ganz nachvollziehen; vielleicht muss man dies aber auch nicht.
Wir haben hier einen Film, der wirklich von Anfang bis Ende reine Interpretationssache ist. Das macht eine konstruktive Bewertung auch relativ schwer. Einen hohen künstlerischen Anspruch kann man Teddy aber nicht absprechen. So habe ich mich auf charmante Art und Weise sehr gut unterhalten gefühlt, wohingegen manch anderer sich berechtigterweise fragen könnte: „Ist das Kunst, oder kann das weg?“ – So ist das eben, Geschmäcker sind verschieden. Ich vergebe auf jeden Fall einen abgenagten Zeh… äh, Daumen nach oben!

4 von 6 Punkten

 

DVD / Blu-ray

Relativ Tiberius-typisch, ist die hauseigene Synchronisation leider eher zweckmäßig; schlecht klingt aber anders. Über die Bild- und Tonqualität kann ich nichts berichten, denn ich habe Teddy lediglich als Presse-Stream auf Vimeo (720p) sichten können. Extras gibt es wohl keine auf den Heimkinoveröffentlichungen. Auf Grund der ungewöhnlichen Inszenierung der Geschichte hätten mich diese aber tatsächlich sehr interessiert.

Verleih: Tiberius Film

Verleihstart: 11.11.2021 (VoD)

Verkaufstart: 18.11.2021

Verpackung: Amaray / Blu-ray Hülle

Discs enthalten: 1

Wendecover: Unbekannt

Schuber: Nein

Ton:
• Deutsch: DD 5.1 (Blu-ray: DTS-HD Master Audio 5.1)
• Französisch: DD 5.1 (Blu-ray: DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bildformat: 1,66 : 1

Blu-ray Auflösung: 1080p / 24Hz

4K UltraHD Auflösung:

Laufzeit: ca. 96 Min. (Blu-ray ca. 98 Min.)

Uncut: Ja

Extras:
• Trailer


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