Review: I Spit on your Grave (1978)

I Spit on your Grave - Poster FSK 18

Kurzinhalt:

Die junge Schriftstellerin Jennifer will in einer abgelegenen Waldhütte ihren ersten Roman verfassen. Schnell wird jedoch eine Gruppe skrupelloser Männer auf Jennifer aufmerksam. Sie lauern der jungen Frau auf, schlagen und vergewaltigen sie. Nur vor Mord schrecken sie zurück. Ein Fehler, denn das Opfer rächt sich an jedem seiner Peiniger.

Originaltitel: Day of the Woman

Jahr: 1978

Genre: Rape & Revenge, Survival, Rachethriller

Kinostart: 22.11.1978

3D: Nein

Altersfreigabe: ab 18 Jahren – FSK (uncut)

Produktionsland: USA

Regie: Meir Zarchi

Drehbuch: Meir Zarchi

Musik:

Produzenten: Meir Zarchi, Joseph Zbeda

Darsteller: Camille Keaton, Eron Tabor, Richard Pace, Anthony Nichols, Gunter Kleemann

Kritik:

Von Sebastian Notbom
Prüfungsmedium: Presse-Stream (deutsch, 720p)
Mit freundlicher Unterstützung von Tiberius Film

I Spit on your Grave ist einer DER Skandalfilme der letzten Dekaden und ich muss gestehen, dass ich um dieses kontroverse Werk bis heute einen großen Bogen gemacht habe; allerdings eher aus dem Grund, weil der Film durch seine jahrzehntelange Eintragung auf Liste B der jugendgefährdenden Medien auf legalem Wege nicht zu bekommen war und mich die Thematik letztendlich nicht genug interessiert hat, um größere Anstrengungen und Kosten aufzuwenden, mir diesen womöglich „alten Schinken“ zu besorgen; bloß um am Ende höchstwahrscheinlich enttäuscht zuwerden.
Nun bringt der Publisher Tiberius Film den 1978er „Rape & Revenge“ Klassiker in ungeschnittener, deutscher Fassung (FSK 18) am 14. Oktober 2021 erneut auf den Markt; nebst einer separat erhältlichen, sehr gelungenen Dokumentation mit dem Titel Aufgewachsen mit I Spit on your Grave (FSK 16).

Und was soll ich sagen? – Nun, dieser einstmalige Skandalfilm ist schlecht gealtert und wirkt heutzutage wegen der überzogenen, teilweise grenzdebilen Dialoge und affiger Charaktere – auch bei aller dargestellten Härte – unfreiwillig komisch… im negativen Sinne…!
Klar, der Gedanke dass sich gut zwei Drittel des Films darum drehen, dass eine Frau nackt durch den Wald rennt und mehrfach von einer Gruppe Männern vergewaltigt wird, um am Ende zum Sterben zurückgelassen zu werden ist immer noch heftig. Darüber braucht man nicht zu diskutieren; vor allem weil dies für damalige Verhältnisse recht explizit dargestellt wurde. Tatsache ist aber auch, dass man hierbei von einer (schon damals) ziemlich gering budgetierten Independent Produktion sprechen kann und der Grindhouse-Streifen in seiner Machart auch nicht unbedingt vor Kreativität strotzt; wie es z.B. vier Jahre zuvor The Texas Chainsaw Massacre mit seinen wilden Kameraeinstellungen und flotter Schnitttechnik tat. Dennoch ist und bleibt I Spit on your Grave einer der umstrittensten und evtl. sogar wichtigsten Filme aller Zeiten; der vielleicht nur so erfolgreich wurde, weil er von Kritikern aus aller Welt förmlich in der Luft zerrissen wurde…

I Spit on Your Grave 1978- Szenenbild

Obwohl sich Ich spuck‘ auf dein Grab (dt. Titel) wegen der teils ausgedehnten Kameraeinstellungen etwas streckt, ist er dennoch recht kurzweilig. Das ist etwas, was die Filmemacher der Siebziger- und Achtzigerjahre gut konnten: viele Information in langsame Bilder zu verpacken. Allerdings passiert auch nicht wirklich viel in I Spit on your Grave, denn gut 50 Minuten der Gesamtlaufzeit wird halbnackt oder nackt durch den Wald gerannt… dabei wird die Protagonistin aber niemals wirklich sexualisiert, sondern stets als Opfer respektiert!
Nach der brutalen Mehrfachvergewaltigung leckt sich die junge Kolumnistin einer New Yorker Tageszeitung, Jennifer – die eigentlich nur eine abgelegene Waldhütte gemietet hat, um ihren ersten Roman zu schreiben – sprichwörtlich ihre Wunden, erholt sich und schmiedet tödliche Rachepläne… so weit, so gut!

Fun-Fact: Die männlichen Darsteller haben darauf bestanden sich im Film komplett zu entblößen (obwohl im Drehbuch nicht vorgesehen), aus Respekt gegenüber der Hauptdarstellerin Camille Keaton, welche die meiste Zeit komplett nackt am Set sein musste…

Wer das ebenfalls umstrittene und durch die BPjM nach Liste B der jugendgefährdenden Medien beschlagnahmte Remake aus dem Jahr 2010 (welches ebenfalls demnächst freigegeben wird) gesehen hat und das Original nicht kennt, der dürfte nun ein wenig enttäuscht sein: Jennifer geht bei ihrer Rache in diesem Original relativ nüchtern zur Sache; und zwar mit Pistole, Messer, Schlinge und tatsächlich aber auch ein Außenbordmotor eines Bootes (das dürfte damals eine der krassesten Szenen gewesen sein). Es gibt keine ausgeklügelten SAW-artigen Fallen, in die sie ihre einstmaligen Peiniger lockt. Diese Fallen und aufwendigen Hinrichtungs-Konstruktionen sind eine Erfindung des Remakes. Auch die Verwendung von Kunstblut fand damals relativ sparsam statt. Es spritzt nur bedingt (Unterwasser) und kam eher bei der Dekoration der (Rache-)Mordschauplätze zum Einsatz.

I Spit on Your Grave 1978 - Szenenbild

Die schauspielerischen Qualitäten, abseits der Hauptrolle sind schwer zu beurteilen. An den Darstellern habe ich rein gar nichts auszusetzen; es ist eher das Drehbuch, was hier ein wenig krankt. Die Dialoge sind ein absolutes Klischee für „harte Gangster-Typen“ aus den Siebzigern. Da muss man das eine oder andere Mal schon schmunzeln, obwohl vielleicht gerade auf dem Bildschirm eine Frau vergewaltigt wird. Das ist aber auch das Problem, was ich aus heutiger Sicht mit diesem Film habe: Er erscheint mir in der heutigen Zeit nicht hart genug, um den Schrecken dieser Tat(en) glaubwürdig zu vermitteln (ich nenne da mal als Beispiel den zeitnahen Wes Craven-Klassiker The Last House on the Left) und er ist nicht abstrakt genug, das Gezeigte nicht ernstzunehmen. Somit haben wir hier einen Film, der Gewalt irgendwie schon verharmlost, so leid es mir auch tut dies zu virtuellem Papier zu bringen. Der einzige Grund weshalb die FSK nun im Jahr 2021 grünes Licht für eine unbeschnittene Veröffentlichung gegeben hat, ist das Alter des Films!

Es ist quasi unmöglich über solch einen kontroversen, und womöglich historisch wichtigen Film zu schreiben, ohne in irgendwelche Fettnäpfen zu treten; denn einerseits geht es hier um allerschlimmste Frauenverachtung, jedoch wird das ursprüngliche Opfer im Verlauf zur „Femme Fatale“, die ihre ganz persönliche Rache sichtlich genießt. Ich bin mir also nicht sicher, welche Rolle solch ein Film seinerzeit bei der feministischen Bewegung gespielt hat; aber irgendeinen Einfluss hatte er mit Sicherheit. Letztendlich wurde I Spit on your Grave „nur“ wegen der dargestellten Selbstjustiz über 30 Jahre lang (in Deutschland und vielen anderen Ländern) beschlagnahmt; was natürlich ein Hohn für Vergewaltigungsopfer darstellt, die knapp mit ihrem Leben davongekommen sind. Darum würde ich die lange Beschlagnahme durch die BPjM aus heutiger Sicht stark in Frage stellen; aber ich bin kein Historiker, oder gar Psychologe.

I Spit on Your Grave 1978 - Szenenbild

Letztendlich handelt Day of the Woman (ursprünglicher engl. Originaltitel) von einer sehr starken Frau, die sich ihrer Reize durchaus bewusst ist, und der lüsterne Mann wird zum klaren Feindbild erklärt; weil Sexappeal niemals der Grund für eine Straftat sein darf! Hier gibt es eigentlich keine Grauzonen, oder Raum zur Interpretation… denn wäre die Protagonistin Jennifer einfach zur Polizei gelaufen, wäre wahrscheinlich kaum etwas passiert, obwohl ihr wirklich grauenhaftes wi(e)derfahren ist… und genau das war die Inspiration des Regiesseurs und Drehbuchauthors Meir Zarchi (gebürtiger Israeli), der 1974 zusammen mit seiner kleinen Tochter und einem Freund eine nackte und vergewaltigte Frau bei einem Spatziergang im Park gefunden, und zur Polizei gebracht hat; wie in der eingangs erwähnten Dokumentation Aufgewachsen mit I Spit on your Grave – die parallel veröffentlicht wird – klargestellt wird.

… der Hintern/Rücken auf dem klassischen Poster/Cover gehört übrigens Demi Moore!

Fazit:

Wer diesen „Klassiker“ noch nicht gesehen hat, der kann gerne mal einen Blick riskieren, um diese Wissenslücke zu schließen. I Spit on your Grave ist aber relativ schlecht gealtert, weshalb ich aus heutiger Sicht nur eine mittelmäßige Gesamtwertung vergeben kann… Sorry dafür, liebe Oldschool-Grindhouse-Fans!

Wertung: 3,5 von 6 Punkten

 

DVD / Blu-ray

Über die Bild- und Tonqualität der 2021er Veröffentlichungen aus dem Hause Tiberius Film kann ich leider nichts sagen, da ich den Film nur als Presse-Stream (720p) gesichtet habe. Dort ging die Bildqualität aber durchaus in Ordnung; es handelt sich aber eindeutig nicht um neu digitalisiertes Filmmaterial. Der klassischen deutschen Synchronisation (mono) muss man auf jeden Fall zugutehalten, dass man jedes gesprochene Wort klar und deutlich versteht. Im Originalton nuscheln die Schauspieler teilweise so stark (auch im verlinkten Trailer bemerkbar), so dass man kaum etwas versteht; weshalb der Film auch ursprünglich in der amerikanischen Presse als „gewalttätiger Schrott“ bezeichnet wurde…

Verleih: Tiberius Film

Verleihstart: 14.10.2021 (VoD)

Verkaufstart: 14.10.2021

Verpackung: Amaray / Blu-ray Hülle

Discs enthalten: 1

Wendecover: Unbekannt

Schuber: Nein

Ton:
• Deutsch: DD 2.0 (Blu-ray: DTS-HD Master Audio 5.1)
• Englisch: DD 2.0 (Blu-ray: DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bildformat: 1,78 : 1

Blu-ray Auflösung: 1080p / 24Hz

4K UltraHD Auflösung:

Laufzeit: ca. 98 Min. (Blu-ray ca. 101 Min.)

Uncut: Ja

Extras:
• Trailer

* Es gibt viele verschiedene Veröffentlichungen und Editionen, auch anderer Publisher. Diese Fassung von Tiberius Film ist erstmalig offiziell ungeschnitten ab 18 Jahren durch die FSK freigegeben!


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