Preview: Castle Freak (Remake)

Castle Freak (Remake) - Poster FSK 18

Kurzinhalt:

Rebecca erbt von ihrer leiblichen Mutter, die sie nie kennengelernt hat, ein altes Schloss in Albanien. Mit Freunden macht sie sich auf den Weg, um die Gemäuer zu begutachten. Doch schnell häufen sich mysteriöse Ereignisse. Jemand – oder etwas scheint in dem Schloss zu leben. Rebecca deckt ein dunkles Familien-Geheimnis auf, mit tödlichen Folgen.

Originaltitel: Castle Freak

Jahr: 2020

Genre: Horror, Mystery, Romanverfilmung

Kinostart:

3D: Nein

Altersfreigabe: ab 18 Jahren – FSK

Produktionsland: USA, Albanien

Regie: Tate Steinsiek

Drehbuch: Kathy Charles, H.P. Lovecraft

Musik: Fabio Frizzi

Produzenten: Barbara Crampton, Matt Manjourides, Justin A. Martell, Amanda Presmyk, Dallas Sonnier, Charles Band, Bobby Campbell

Darsteller: Clair Catherine, Jake Horowitz, Kika Magalhães, Emily Sweet, Chris Galust, Genti Kame, Klodian Hoxha, Omar Shariff Brunson Jr.

Kritik:

Von Sebastian Notbom
Prüfungsmedium: Presse-Stream (deutsch, 720p)
Mit freundlicher Unterstützung von Tiberius Film

Castle Freak ist im Original eine Videoproduktion des im Genre sehr bekannten Regisseurs Stuart Gordon († 24.03.2020), die lose auf einer Kurzgeschichte des Kult-Horror-Autors H.P. Lovecraft († 15.03.1937), mit dem Titel Der Außenseiter basiert. In dem Film von 1995 geht es um eine „Missgeburt“, die aus Scham in einem alten Schloss gefangen gehalten wird und die sich schlussendlich den Daumen abnagt, dadurch seinen Fesseln entkommt und fortan mordend durch die Gegend zieht. Der ganze Schlamassel geschieht natürlich genau zu dem Zeitpunkt, als eine neue Familie in das alte Gemäuer einzieht, die das Anwesen frisch geerbt hat.

Nun gibt es in dem hier besprochenen Remake einige Parallelen zur bekannten Geschichte (eine blinde Protagonistin, die Erbschaft, das Schloss, den Freak etc.), es wurde aber maßgeblich ausgeschmückt; vor allem was sehr Lovecraft-typische Elemente angeht. So spielen im Verlauf tatsächlich auch die ‚Großen Alten‘ des lovecraftschen ‚Cthulhu-Mytos‘ (vor allem Yog-Sothoth [Der Schlüssel und das Tor]), ein Kult mysteriöser Wesen und das berühmte ‚Necronomicon‘ eine große Rolle. Auch wurden gekonnt Elemente aus einer der bekanntesten und längsten Erzählungen Lovecrafts – Das Grauen von Dunwich – mit eingestreut. Achtet einfach mal auf den Familiennamen der verstorbenen Mutter!
Um nicht gravierend zu spoilern, werde ich ab dieser Stelle aber nicht mehr vieles über die Story erzählen; obwohl ich gerne noch ein wenig länger mit unnützem Nerd-Wissen prahlen würde…

Castle Freak (Remake) - Szenenbild

Das Ganze klingt erst einmal nicht schlecht, wäre dieses Remake nicht (über eine Stunde der Gesamtlaufzeit) so dermaßen langweilig…! – Tatsächlich gibt es erst in den letzten ca. 20 Minuten ein wenig Action; und handgemachte Effekte, die eine Altersfreigabe ab 18 Jahren rechtfertigen würden. Dabei sprechen wir hier über eine relativ stolze Laufzeit von ca. 106 Minuten (inkl. Abspann)! – Über 80 Minuten beobachtet der geneigte Zuschauer lediglich die zwei super simpel gestrickten Hauptcharaktere, die ihr frisch geerbtes Anwesen (ein altes Schloss in Albanien – eigentlich ein tolles Setting) inspizieren und versuchen sich dort zurechtzufinden. Später, um beim geplanten Umzug und Verkauf des Interieurs zu helfen, kommen dann noch ein paar ihrer klischeehaften Party-Freunde aus der Heimat hinzu, die im Finale letztendlich nur Kanonenfutter für den namensgebenden Castle Freak sind.
Besonders nervig und absolut unrealistisch ist einer von ihnen, den alle den „Professor“ nennen. Natürlich weiß dieser klugscheißende Milchbubi auch bestens über das ‚Necronomicon‘ und die ‚Großen Alten‘ Bescheid… Moment mal, ich erkenne mich selbst (bis auf den Milchbubi)…! – Also vergessen wir diesen Kritikpunkt besser schnell wieder… (an dieser Stelle könnte ein Zwinker-Smilie stehen)

Castle Freak (Remake) - Szenenbild

Schwer zu ertragen ist für manch einen jüngeren Horrorfan gewiss die absichtlich altbackene Machart des Films. Diese ist, genau wie seine sehr simpel gezeichneten und super klischeehaften Charaktere, optisch und schnittechnisch voll auf die 80er und 90er getrimmt… und wenn ich sage „voll“, dann meine ich auch voll! Zudem erkennt man als versierter Video-Freak recht leicht, dass Castle Freak (2020) mit Adobe Premiere und After Effects geschnitten, und bearbeitet wurde; letzteres nicht unbedingt von Vollprofis… aber tatsächlich ist der Regisseur – Tate Steinsiek – hauptberuflich als Special-Effects-Artist, auch bei größeren Hollywood-Produktionen und bekannten Serien tätig; was die Vermutung nahelegt, dass die Art der Nachbearbeitung und des Color-Gradings aus der guten Absicht entstanden ist, einen nostalgischen Video-Look zu erzeugen, der älteren Horrorfan-Semestern und ehemaligen Videotheken-Stammkunden womöglich ein kleines Freudentränchen entlocken soll. Auch handelt es sich bei einer der Produktionsfirmen hinter dieser Neuauflage um das bekannte Fanzine Fangoria, das hier höchstwahrscheinlich einen nostalgisch anmutenden Horrorfilm von „klassischen Horrorfans für klassische Horrorfans“ produzieren wollte… Ich zähle mich zwar durchaus zur Zielgruppe dazu, finde es aber unangebracht, dass wenn man die Möglichkeit hat ein optisch und technisch zeitgemäßes Remake zu realisieren, zu solch altbackenen Stilmitteln greift; denn diese sprechen einfach nicht mehr die große Masse an, was viele eher negative Kritiken im Web (darunter auch diese) belegen…

Castle Freak (Remake) - Szenenbild

Wie bereits angedeutet nimmt Castle Freak im letzten Viertel endlich einiges an Fahrt auf, was aber noch lange keinen insgesamt guten Film ausmacht! Für eingefleischte Lovecraft-Fans dürften diese ca. 20 Minuten allerdings ein wahres Fest sein (mehr verrate ich nicht)! – Die darin gezeigten, meist handgemachten Effekte sind saftig-knaftig. Auch der namensgebende Antagonist ist nicht computeranimiert, sondern steckt in einem Kostüm. Das hat aber leider aber zufolge, dass man dies in vielen der finalen Kameraeinstellungen mehr als deutlich erkennt; was das Filmvergnügen wiederum ein wenig schmälert. Schön scheußlich sieht die Kreatur aber immerhin aus…

Fazit:

Ein zeitgemäßes Remake eines derartigen Klassikers (der übrigens 2020 in ungeschnittener Fassung vom Index gestrichen wurde) muss meiner Meinung nach mindestens optisch state of the art, und das ursprüngliche Erzähltempo deutlich gesteigert sein, um es einem aktuellen und breiterem Publikum schmackhaft zu machen. Das ist bei Castle Freak absolut nicht der Fall (offensichtlich beabsichtigt)!
Diese Neuverfilmung nimmt sich über ¾ der recht langen Gesamtlaufzeit viel zu viel Zeit, zumindest halbwegs in die Gänge zu kommen und sieht durch seine, an die Neunzigerjahre orientierte „Video-Tape-Nachkolorierung“ auch um einiges weniger düster und authentisch aus, als das im Kern bereits recht schnöde Original.
Es handelt sich hierbei um einen Horrorfilm, der offenbar eher für +40-jährige Videotheken-Nostalgiker*innen gedacht ist, als für ein jüngeres und größeres Publikum. Als Lovecraft-Fan bereue ich es zwar nicht diese neue Interpretation gesehen zu haben, werde sie aber mit Sicherheit kein zweites Mal in den Player schmeißen. Darum vergebe ich mal wieder ernüchternde… (ich würde dem Original übrigens weniger Punkte geben, weil es die meiste Zeit über ebenfalls relativ spannungsarm, und zudem schlecht gealtert ist)

Wertung: 3 von 6 Punkten

 

DVD / Blu-ray

Wenn man etwas an der Bild- und Tonqualität zu meckern haben sollte, dann dürfte es am Film selbst liegen. Naja, bis auf die deutsche Synchronisation, die durch Tiberius Film mal wieder relativ lieblos erfolgte. Die hauseigene Vertonung ist bei diesem Publisher leider oftmals ein Eigentor… Extras gibt es natürlich auch keine auf den deutschen Veröffentlichungen.

Verleih: Tiberius Film

Verleihstart: 11.11.2021 (VoD)

Verkaufstart: 18.11.2021

Verpackung: Amaray / Blu-ray Hülle

Discs enthalten: 1

Wendecover: Unbekannt

Schuber: Nein

Ton:
• Deutsch: DD 2.0 (Blu-ray: DTS-HD Master Audio 5.1)
• Englisch: DD 5.1 (Blu-ray: DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bildformat: 1,78 : 1

Blu-ray Auflösung: 1080p / 24Hz

4K UltraHD Auflösung:

Laufzeit: ca. 104 Min. (Blu-ray ca. 106 Min.)

Uncut: Ja

Extras:
• Trailer


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.