Jagdszenen aus Niederbayern

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Spaulding
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Jagdszenen aus Niederbayern

Beitragvon Spaulding » Di Mär 15, 2016 2:48 pm

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Die Handlung dreht sich um Abram, einen jungen Mann, der Ende der 60er Jahre aus der Stadt in einem konserativen, bayerischen Örtchen zurückkehrt, wo er schließlich seine Homosexualität beichtet. In der intoleranten Umgebung Niederbayerns in dieser Zeit macht er sich damit aber keine Freunde, ihm werden Fakten falsch umgedeutet und schließlich kommt es sogar zu Todesfällen.

Quelle: moviepilot.de

In JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN wird man mit dem Zwang der Menschen konfrontiert normal zu sein. Da es jedoch keine allgemeingültige Definition vom Normalsein gibt, wird diese eben selbst aufgestellt. Wer sich nicht daran hält, wer eben nicht normal ist, über den wird sich das Maul zerrissen. Dann wünscht sich selbst die Mutter, dass sie ihren abnormalen Sprössling totgeschlagen hätte.

Die größte Angst, die in dem kleinen Örtchen vorherrscht, ist die Angst vor Schwulen. Während über Hurerei meist nur getuschelt und gelästert wird, so wird der Schwule öffentlich mit Worten gerichtet. In Gesellschaft kann der Betroffene sehen, wie viel er in den Augen der Dorfbewohner wert ist: Gar nichts.

Der Film zeigt dabei eine Entwicklung der Gewalt. Von den ersten Gerüchten bis hin zu Anschuldigungen und Verleumdungen. Die titelgebende und wortwörtliche Jagd nimmt den geringsten Teil des Filmes ein. Vielmehr wird in ruhiger und realistischer Weise die Entwicklung von Lästereien bis zur Jagd erzählt. Dies geschieht jedoch hauptsächlich ohne großartige Dramatik, sodass der Film in großen Teil zäh ist und teilweise etwas vor sich hin tröpfelt. Andererseits wirkt das ganze aber eben genau dadurch so realistisch, auf die damalige Zeit gesehen. Dazu tragen auch die Darsteller, die größtenteils tatsächlich die Einwohner des Dorfes waren und nie Schauspielerfahrungen gesammelt haben, bei.

JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN konfrontiert die Zuschauer mit der Angst vor Schwulen und den Resultaten davon. Und auch wenn der Film nun schon fast 50 Jahre alt ist, ist er auch heute noch im gewissen Maße aktuell. Insgesamt hat man hier ein realistisches und gesellschaftskritisches Werk erschaffen, das jedoch deshalb in einigen Teilen zu ruhig und zu undramatisch wirkt.
6/10
In der Not frisst der Teufel Scheiße!

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