Dracula (1958)

horror1966
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Dracula (1958)

Beitragvon horror1966 » Do Nov 24, 2016 7:54 pm

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Dracula
(Dracula)
mit Peter Cushing, Christopher Lee, Michael Gough, Melissa Stribling, Carol Marsh, Olga Dickie, John Van Eyssen, Valerie Gaunt, Janina Faye, Barbara Archer, Charles Lloyd Pack, George Merritt, George Woodbridge, George Benson
Regie: Terence Fisher
Drehbuch: Jimmy Sangster / Bram Stoker
Kamera: Jack Asher
Musik: James Bernard
FSK 12
Großbritannien / 1958

Graf Dracula reist von seinem Heimatland Transsylvanien nach London. Auf der Suche nach frischem Blut zieht der zu einem Dasein als Untoter Verdammte durch das bunte Nachtleben der Großstadt, wo er seine Opfer findet. Aber hier begegnet er auch Dr. Van Helsing, einem fanatischen Wissenschaftler, der dem grausamen Treiben des mörderischen Vampirs ein Ende bereite will.


Die Zeiten des klassischen Vampirfilms sind längst Geschichte und gerade aus diesem Grund ist es immer wieder schön, wenn man auf die alten Klassiker zurück greifen kann. Natürlich kommt man dabei auf keinen Fall um die Figur des Grafen Dracula herum, denn es gibt wohl kaum eine andere Figur, die dermaßen viele Verfilmungen nach sich gezogen hat. Selten wurde sich dabei detailgetreu an die literarische Vorlage eines Bram Stoker gehalten und gleichzeitig stellt sich unter den Fans des Sub-Genres immer wieder die Frage, wer denn nun eigentlich der beste Darsteller des Vaters aller Vampire ist. Zumeist teilen sich die Lager dann in Richtung Bela Lugosi und Christopher Lee, wobei Letzterer im vorliegenden Film das erste Mal in der Rolle des Grafen zu sehen ist. Das Werk von Terence Fisher stellt dabei lediglich den Auftakt zu einer ganzen Reihe von Dracula-Verfilmungen aus dem Hause Hammer dar und schon in diesem ersten Film zeigt sich die unheimliche Präsenz eines Christopher Lee, der trotz im Prinzip verhältnismäßig kleiner Spielanteile allein durch seine diabolische Ausstrahlung den Zuschauer in seinen Bann zieht. Ihm zur Seite steht mit Peter Cushing eine weitere Hammer-Legende und die beiden Ausnahmekönner drücken der Geschichte auch eindeutig ihren persönlichen Stempel auf.

Auch wenn Lee von Haus aus ein grandioser Schauspieler war, so ist er hier doch wohl ganz eindeutig in seiner absoluten Paraderolle zu sehen. War Lugosi 1931 noch viel eher die aristokratische Verkörperung von Dracula, so mischt sich bei Lee eine unheilvolle und diabolisch anmutende Note bei, für die ein exzellentes Make Up und die unverwechselbare Mimik des Darstellers verantwortlich zeichnen. Wie nicht anders zu erwarten gabe es zur damaligen zeit noch keine nennenswerten Härten zu sehen, denn Fishers Inszenierung geht ganz klar den klassischen Weg des Stoffes, was dem Szenario gleichzeitig eine unglaubliche Eleganz verleiht. Das macht sich nicht nur bei den Locations und Kostümen bemerkbar, sondern schlägt sich auch im Schauspiel sämtlicher Akteure nieder. So ist beispielsweise in etlichen Passagen eine für die damalige Zeit übliche Theatralik zu erkennen, doch was in der heutigen Zeit als absolut deplaciert erscheinen würde, wertet diesen meisterlichen Beitrag sogar noch zusätzlich auf.

Cushing brilliert dabei in der Rolle des Doctor Van Helsing und liefert sich trotz der schon kurz erwähnten kleineren Spielanteile einen erbitterten Schlagabtausch mit seinem Gegenpart, der trotz dem Status einer etwas größeren Nebenrolle andere Akteure durch seine unheimliche Präsenz regelrecht verblassen lässt. Und so fällt es dann auch überhaupt nicht negativ ins Gewicht das der alte Blutsauger eher selten im Bild zu sehen ist, denn die grandiose Ausstrahlung eines Christopher Lee ist definitiv allgegenwärtig. Ganz nebenbei sollte man sich allerdings auch auf die gut vorgetragene Erzählung konzentrieren, die zwar durchaus an die literarische Vorlage angelehnt ist, sich aber dennoch auch diverse künstlerische Freiräume nimmt. Auch in visueller Hinsicht bekommt man eine Menge geboten und insbesondere durch die nun erhältliche Blu-ray Veröffentlichung wirken die kräftigen Farben des Szenarios wie eine wahre Labsal für die Augen des Betrachters.

Letztendlich handelt es sich hier auf jeden Fall um einer der allerbesten Dracula-Verfilmungen und es gibt nicht wenige Leute, die das Werk auch über dem Universal-Klassiker von Ted Browning aus dem Jahr 1931 stellen. Das ist natürlich die reine Geschmackssache, aber definitiv war dieser Film dermaßen erfolgreich, das die berühmten britischen Hammer Studios noch mehrere Produktionen folgen ließen, die sich mit der Figur des Grafen Dracula beschäftigen. Für Freunde des klassischen Horrorfilms offenbart sich hier ein wahrer Leckerbissen, aber auch der jüngere Horror-Liebhaber sollte zumindest einmal einen Blick auf diesen Klassiker werfen, denn ansonsten kann man eigentlich unmöglich mit reden, wenn es um den bekanntesten aller Vampire geht. Von meiner Seite aus gibt es jedenfalls eine ganz klare Empfehlung, denn normalerweise sollte dieser Meilenstein in keiner gut sortierten Sammlung fehlen.


Fazit:


Der gute Terence Fisher hat nach dem 1957 erschienenen und extrem erfolgreichen "Frankensteins Fluch" nun auch die zweite prägende Figur des Horrorfilms mit neuem Leben beseelt und dabei wieder die beiden Schauspiel-Legenden Peter Cushing und Christopher Lee gemeinsam vor die Kamera gebracht. Eigentlich ist das schon ein ausreichender Grund für eine Sichtung, aber auch die nahezu perfekte Gesamt-Inszenierung lädt immer wieder dazu ein, sich diesen grandiosen Film immer wieder anzuschauen.


10/10

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