Review: Chernobyl Diaries

Conjuring - Blu-ray DVD Cover FSK 16

Kurzinhalt & Trailer:

Sechs junge Urlauber wollen eine „extreme Tour“ in der Ukraine erleben und fahren mit ihrem Tourguide in eine militärische Sperrzone: Die Stadt Pripyat. Hier wohnten einst die Arbeiter des Atomreaktors Tschnernobyl. Seit der Katastrophe vor über 25 Jahren ist der Ort eine Geisterstadt. Nach einem kurzen Rundgang strandet die Gruppe und merkt bald, dass sie durchaus nicht allein ist…

Originaltitel: Chernobyl Diaries

Jahr: 2012

Genre: Horror, Mutanten, Survival, Suspense

Kinostart: 21.06.2012

3D: Nein

Altersfreigabe: ab 16 Jahren – FSK

Produktionsland: USA

Regie: Bradley Parker

Drehbuch: Oren Peli, Carey Van Dyke, Shane Van Dyke

Produzenten: Oren Peli, Brian Witten, Rob Cowan, Broderick Johnson, Andrew A. Kosove, Milan Popelka, Richard Sharkey, Allison Silver

Darsteller: Ingrid Bolsø Berdal, Dimitri Diatchenko, Olivia Dudley, Devin Kelley, Jesse McCartney, Nathan Phillips, Jonathan Sadowski, Milos Timotijevic, Milutin Milosevic, Ivan Djordjevic, Ivan Jovic, Zinaida Dedakin, Ivana Milutinovic, Alex Feldman, Kristof Konrad, Pasha D. Lychnikoff, Jay Kash

Kritik:

Von Sebastian Notbom
Prüfungsmedium: Kino, deutsche Blu-ray
Anzahl der Kritiker: 2
Mit freundlicher Unterstützung von Warner Bros.

Zuallererst muss man sich darüber im klaren sein, dass Chernobyl Diaries nur eine Million Dollar (in der Produktion) gekostet haben soll und nicht direkt in der postnuklearen Geisterstadt Pripyat gedreht wurde. Was die Macher aus einem verlassenen Fabrikgelände, irgendwo in den USA rausgeholt haben, ist schier unglaublich. Unpassend, im kleinkrämerischen Sinne, wirkt eigentlich nur der Bewuchs, denn typisch für eine von jetzt auf gleich verlassene Stadt sind bestimmte Baumarten, deren Kronen/Spitzen sozusagen eine ebene Fläche bilden. Im Falle der Trabantenstadt Pripyat wären zu diesem Zeitpunkt alle ersten wildwachsenden Bäume nach der Evakuierung ca. 26 Jahre alt und somit gleich hoch. Aber das ist, wir ihr sicherlich grade beim Lesen dieser Kritik denkt, bloß Meckern auf hohem Niveau und tut in Bezug auf den Film nichts zur Sache… aber als heimlicher Fan der Sagen um Reaktor 4 des havarierten Kernkraftwerks ‚Tschernobyl‘ hat man halt viele Dokumentationen gesehen und natürlich tagelang die toll nachgebildeten Landschaften des PC-Spiels S.T.A.L.K.E.R. durchstreift.

Das im Film dargestellte Riesenrad (sozusagen das bekannteste Mahnmal Tschernobyls) wurde am Computer teilanimiert, wie auch die Umgebung der Totalen (Kameraeinstellungen) – was man aber beim Betrachten aber nicht merkt – und ist leider nicht wirklich identisch mit dem immer noch „strahlenden“ Original, welches im Zentrum der Geisterstadt vor sich hin rostet.

Chernobyl Diaries - Szenenbild

Und damit sind wir auch schon beim Thema Metall: Die Protagonisten stoßen mit ihrem Geigerzähler an einigen Orten auf verstärkte Strahlung, jedoch nicht auf einem leicht abgelegenen Autofriedhof, wobei vorher noch im Film erwähnt wird, dass man krank wird durch die Strahlung, mit der alle metallischen Gegenstände kontaminiert sind. Als Fan der Thematik ein grober Logikfehler. Der Geigerzähler hätte sich zumindest melden sollen und mit einem zeitlich begrenzten Aufenthalt in diesem Areal hätte man einen weiteren Spannungsmoment erzeugen können…

Die Schauspieler haben uns nicht enttäuscht. Es sind zwar keine super schlauen Dialoge in diesem Film zu erwarten, aber wir empfanden das Verhalten der von ihnen gespielten Protagonisten durchaus realistisch und glaubwürdig dargestellt. Vor allem wurden in Chernobyl Diaries nicht krampfhaft irgendwelche Charaktere eingebaut, die plötzlich zu echten Killermaschinen mutieren, damit sich zu einem bestimmten Zeitpunkt das Blatt wendet. Alle am Unglück Beteiligten kennen sich einfach nicht in der Gegend aus und sind vor fiesen Mutanten auf der Flucht, die immer wieder für grauselig-angenehme Schockeffekte sorgen. Leider aber laufen die meisten Jumpscares aber nach Schema-F ab, doch sie verfehlen nur selten den von ihnen gewünschten Effekt… nur hätten wir uns zwischendurch mal eine Spannungsspitze gewünscht, die vorerst ins Leere zu verlaufen scheint und dann mit einem dicken Knall, völlig unerwartet, zu einem späteren Zeitpunkt auf den Zuschauer eindrischt. Also etwas mehr Suspense… davon bot allerdings Pelis Erstling (Paranormal Activity) etwas zu viel. In seinem nächsten Filmen müsste der „Filmemacher mit Gespür für extravaganten Grusel“ ein gesundes Mittelmaß finden.

Chernobyl Diaries - Szenenbild

Am Anfang von Chernobyl Diaries waren wir absolut geschockt von der Kameraarbeit. Nicht weil Urlaubsvideomaterial gezeigt wird, als Anspielung auf Pelis vorherigen Überraschungserfolg, sondern weil man in der professionell geführten Kamera die Schritte des Kameramanns als deutliche Ruckler bemerkt. Dies soll wahrscheinlich ein Querverweis auf die Found Footage-Abstammung des Produzenten sein, da es sich aber nicht um einen Found Footage-Horrorfilm handelt tut dies dem geschulten Auge gewissermaßen weh. Zum Glück wird die Kamera im späteren Verlauf weicher geführt, allerdings durchgehend mit einem leicht pseudo-dokumentarischem Stil.
Das Setting, wie bereits angemerkt, wurde sehr glaubwürdig gestaltet und verleiht dem Horrorklischee-Szenario einen individuellen Touch. Besonders gut ist dabei die Ausleuchtung Drehorte gelungen, denn gefilmt wurde wirklich bei Nacht und nicht etwa Tages-Bildmaterial im Nachhinein mit aufdringlichen Videofiltern versehen. Wir glauben, dass eine Art großer Fluter an einen Kranwagen gehängt wurde, um klares Mondlicht mit harten Schatten zu simulieren. Bei den Dreharbeiten wurde also nicht punktuell ausgeleuchtet, sondern mit Hilfe einer globalen Lichtquelle. Das „fokussierende Restlicht“ stammt aus den hellen Taschenlampen der Protagonisten, weshalb eine sehr dichte Gruselatmosphäre entsteht. Und obwohl Chernobyl Diaries in der zweiten Hälfte sehr dunkel ist, kann man alles gut erkennen. Zumindest das, was man als Zuschauer erkennen soll…

Chernobyl Diaries - Szenenbild

Machen wir uns aber nichts vor. Letztendlich handelt es sich bei diesem Genrebeitrag um einen nicht sehr geistreichen Mix aus Suspense-Horrorschocker und Terrorfilm, der innerhalb des Genre-Regelwerks allerdings so gut wie nichts falsch macht. Am Ende hätten wir uns aber gewünscht, so viel dürfen wir verraten, dass alle Protagonisten z.B. von irgendwelchen Regierungstruppen erschossen werden, der Film dann einfach zu Ende ist und der Zuschauer so gesehen im kalten Wasser stehen gelassen wird. Das normale Kino-Ende hat uns leider überhaupt nicht gefallen, auf den Heimkinoveröffentlichungen gibt es aber noch ein alternatives Ende.

Fazit:

Wenn man seine Erwartungen nicht allzu hoch schraubt, dann ist Chernobyl Diaries ein wirklich guter, spannender und kurzweiliger Horrorschocker. Vor allem in Bezug auf das geringe Budget, der überzeugen Darsteller und des bis Dato einzigartigen Settings.
„There will be blood“, aber waschechte Gorehounds werden in dieser Hinsicht keine Freunde haben. Der Film setzt auf viele Schockeffekte und eine kontinuierlich ansteigende Spannungskurve. Darum kann es sein, dass Chernobyl Diaries für viele wohl auch nur ein eher einmaliges Vergnügen ist, außer man ist so sehr vom Setting fasziniert, wie ich es bin. Viel falsch machen kann man bei diesem Film nicht. Eine klare Empfehlung an alle Horrorfans!

Wertung: 5 von 6 Punkten

 

DVD / Blu-ray (Verleih & Verkauf)

Die Gesamtqualität (Bild & Ton) der von uns geprüften Blu-ray ist ziemlich gut. Auch an interessanten Extras mangelt es dem Silberling aus dem Hause Warner Bros. nicht.

Verleih: Warner Bros.

Verleihstart: 26.10.2012

Verkaufstart: 26.10.2012

Verpackung: Amaray / Blu-ray Hülle (schwarz)

Discs enthalten: 1

Wendecover: Nein

Schuber: Nein

Ton:
• Deutsch: DD 5.1 (Blu-ray: DTS-HD Master Audio 5.1)
• Englisch: DD 5.1 (Blu-ray: DTS-HD Master Audio 5.1)
• Französisch: DD 5.1 (Blu-ray)
• Spanisch: DD 5.1 (Blu-ray)

Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch (Blu-ray), Spanisch (Blu-ray)

Bildformat: 1,78 : 1

Blu-ray Auflösung: 1080p / 24Hz

Laufzeit: ca. 82 Min. (ca. 86 Min. Blu-ray)

Uncut: Ja

Extras:
• Alternatives Ende
• Uris Extreme Travel-Werbevideo
• Tschernobyl-Verschwörungsvideo
• Nicht verwendete Szene
• Trailer

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