CHERNOBYL DIARIES (2012)

Originaltitel: Chernobyl Diaries
Genre: Horror
Kinostart: 21.06.2012
Altersfreigabe: ab 16 Jahren - FSK
Produktionsland: USA
Regie: Bradley Parker
Drehbuch: Oren Peli, Carey Van Dyke, Shane Van Dyke
Produzenten: Oren Peli, Brian Witten, Rob Cowan, Broderick Johnson, Andrew A. Kosove, Milan Popelka, Richard Sharkey, Allison Silver
Darsteller: Ingrid Bolsø Berdal, Dimitri Diatchenko, Olivia Dudley, Devin Kelley, Jesse McCartney, Nathan Phillips, Jonathan Sadowski, Milos Timotijevic, Milutin Milosevic, Ivan Djordjevic, Ivan Jovic, Zinaida Dedakin, Ivana Milutinovic, Alex Feldman, Kristof Konrad, Pasha D. Lychnikoff, Jay Kash
Kurzinhalt & Trailer:
Sechs junge Urlauber wollen eine "extreme Tour" in der Ukraine erleben und fahren mit ihrem Tourguide in eine militärische Sperrzone: Die Stadt Pripyat. Hier wohnten einst die Arbeiter des Atomreaktors Tschnernobyl. Seit der Katastrophe vor über 25 Jahren ist der Ort eine Geisterstadt. Nach einem kurzen Rundgang strandet die Gruppe und merkt bald, dass sie durchaus nicht allein ist...
Kritik:
Von Sebastian Notbom
Prüfungsmedium: Kino
Mit freundlicher Unterstützung der Pressebetreuung
Die relativ ernüchternden Kritiken im Vorfeld können wir nicht ganz nachvollziehen. Diese haben allerdings auch die Erwartungshaltung etwas gedrückt... zum Glück! - Wir wurden auf jeden Fall nicht enttäuscht von Oren Pelis (Produzent und Drehbuch) neustem Survivalhorror-Schocker und auf das Horrorgenre bezogen macht dieser Film eigentlich alles richtig, mit kleineren, aber leicht zu verschmerzenden Wermutstropfen.
Zuallererst muss man sich darüber im klaren sein, dass CHERNOBYL DIARIES nur eine Million Dollar (in der Produktion) gekostet haben soll und nicht direkt in Pripyat gedreht wurde. Was die Macher und der Director of Photography aus einem verlassenen Fabrikgelände, irgendwo in den USA, rausgeholt haben ist unglaublich. Unpassend wirkt eigentlich nur der Bewuchs, denn typisch für eine von jetzt auf gleich verlassene Stadt sind bestimmte Baumarten, deren Kronen/Spitzen sozusagen eine ebene Fläche bilden. Im Falle der Trabantenstadt Pripyat wären zu diesem Zeitpunkt alle ersten wildwachsenden Bäume nach der Evakuierung ca. 26 Jahre alt und gleich hoch. Aber das ist, wir ihr sicherlich grade beim Lesen dieser Kritik denkt, bloß Kleinkrämerei und tut in Bezug auf den Film nichts zur Sache... Stimmt, aber als heimlicher Fan der Sagen um Reaktor 4 des havarierten Kernkraftwerks Tschernobyl hat man halt viele Dokumentationen gesehen und natürlich die toll nachgebildeten Landschaften des PC-Spiels S.T.A.L.K.E.R. Durchstreift.
Das im Film dargestellte Riesenrad (sozusagen das bekannteste Mahnmal Tschernobyls) wurde am Computer teil-animiert, wie auch die Umgebung der totalen Außenaufnahmen (was man aber nicht beim Betrachten merkt), und ist leider nicht identisch mit dem immer noch strahlenden Original, welches im Zentrum der Geisterstadt vor sich hin rostet.

Und damit sind wir auch schon beim Thema Metall: Die Protagonisten stoßen mit ihrem Geigerzähler an einigen Orten auf verstärkte Strahlung, jedoch nicht auf einem leicht abgelegenen Autofriedhof, wobei vorher noch im Film erwähnt wird, dass man krank wird durch die Strahlung, mit der metallische Gegenstände kontaminiert sind. Als Fan der Thematik ein grober Logikfehler. Der Geigerzähler hätte sich zumindest melden sollen und mit einem zeitlich begrenzten Aufenthalt in diesem Areal hätte man einen weiteren Spannungsmoment erzeugen können...
Die Schauspieler haben uns durchweg überzeugt. Es sind zwar keine super schlauen Dialoge im Film zu erwarten, aber wir empfanden das Verhalten ihrer Rollen, in den wichtigsten Momenten, durchaus realistisch und glaubwürdig dargestellt. Vor allem wurden in CHERNOBYL DIARIES nicht krampfhaft irgendwelche Charaktere eingebaut, die plötzlich zu echten Killermaschinen mutieren, damit sich das Blatt wendet. Alle am Unglück Beteiligten kennen sich einfach nicht in der Gegend aus und sind vor fiesen Mutanten auf der Flucht, die für grauselig-angenehme Schockeffekte sorgen. Leider aber laufen die meisten von ihnen nach Schema-F ab, doch sie wirken... nur hätten wir uns zwischendurch mal eine Spannungsspitze gewünscht, die vorerst ins Leere zu verlaufen scheint und dann mit einem dicken Knall, völlig unerwartet, zu einem späteren Zeitpunkt auf den Zuschauer eindrischt. Davon bot allerdings Pelis Erstling (PARANORMAL ACTIVITY) einige zu viele. In seinem nächsten Film müsste der "Filmemacher mit Gespür für extravaganten Grusel" ein gesundes Mittelmaß finden.

Am Anfang von CHERNOBYL DIARIES waren wir absolut geschockt von der Kameraarbeit. Nicht weil Urlaubsvideomaterial gezeigt wird, als Anspielung auf Pelis ersten Überraschungserfolg, sondern weil man in der professionell geführten Kamera die Schritte des Kameramanns als deutliche Ruckler bemerkt... Hat der das Gerät in der Hand gehalten und ist damit um die Darsteller rumgelaufen, weil die Crew ihre Steadycams nicht durch den Zoll in Russland bekommen haben? - Wir wissen es nicht, aber dem geschulten Auge tut so was weh. Zum Glück wird die Kamera im späteren Verlauf weicher geführt, allerdings durchgehend mit einem leicht pseudo-dokumentarischem Stil. Zudem wurde, wie bereits angemerkt, das Setting unglaublich gut gestaltet und verleiht dem Horrorklischee-Szenario einen individuellen Touch. Besonders gut ist dabei die Ausleuchtung der Sets gelungen, denn gedreht wurde bei Nacht und nicht etwa Tages-Bildmaterial mit aufdringlichen Videofiltern versehen. Wir glauben, dass eine Art großer Fluter an einen Kranwagen gehängt wurde, um klares Mondlicht mit harten Schatten zu simulieren. Bei den Dreharbeiten wurde also nicht punktuell ausgeleuchtet, sondern mit Hilfe einer globalen Lichtquelle. Das "fokussierende Restlicht" stammt aus den hellen Taschenlampen der Hauptrollen. Obwohl CHERNOBYL DIARIES in der zweiten Hälfte sehr dunkel ist, kann man alles gut erkennen. Zumindest das, was man erkennen soll.

Machen wir uns nichts vor. Letztendlich handelt es sich bei diesem Genrebeitrag um einen nicht sehr geistreichen Mix aus Horrorschocker und Backwoodhorror, der innerhalb des Genre-Regelwerks aber alles richtig macht. Am Ende hätten wir uns aber gewünscht, so viel dürfen wir verraten, dass alle Protagonisten z.B. von irgendwelchen Regierungstruppen erschossen werden, der Film dann einfach zu Ende ist und der Zuschauer im kalten Wasser stehen gelassen wird. Das aktuelle Kino-Ende hat uns leider überhaupt nicht gefallen. Bei Oren Peli ist es aber nicht auszuschließen, dass ein-zwei alternative Enden mit auf die Heimkinoveröffentlichungen gepresst werden.
Fazit:
Wenn man seine Erwartungen nicht allzu hoch schraubt, dann ist CHERNOBYL DIARIES ein wirklich guter, spannender und kurzweiliger Horrorschocker. Vor allem in Bezug auf das geringe Budget, der überzeugen Darsteller und des bis Dato einzigartigen Settings.
"There will be blood", aber waschechte Gorehounds werden in dieser Hinsicht keine Freunde haben. Der Film setzt auf viele Schockeffekte und eine kontinuierlich ansteigende Spannungskurve. Darum ist CHERNOBYL DIARIES für viele wohl auch nur ein einmalig schauriges Vergnügen, außer man ist so sehr vom Setting fasziniert, wie wir es sind. Eine klare Empfehlung an alle Horrorfans. Viel falsch machen kann man bei diesem Film nicht.
Wir geben stolze 5 von 6 Punkten:

DVD / Blu-ray (Verleih & Verkauf)
Noch nicht fürs' deutsche Heimkino erschienen.

Verleih: Warner Bros.
Verleihstart: -
Verkaufstart: -
Verpackung: -
Discs enthalten: -
Ton: -
Untertitel: -
Bildformat: 1,85 : 1
Blu-ray Auflösung: -
Laufzeit: ca. 86 Min.
Uncut: -
Extras: -



















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